Ringgeister
J.R.R. Tolkiens Herr der Ringe ist in der Spielwelt angelangt. Mit Ringgeister liegt eine sehr interessante Umsetzung des Fantasy-Epos vor, dass sowohl in Spielaufbau als auch in Spielverlauf ungewöhnliche Wege geht.
Ziel des Spieles ist es den einen Ring zu zerstören. Wer das schafft, hat das Spiel gewonnen. Auf dem Weg dorthin müssen die Spieler aber zusammenhalten, denn die Ringgeister und Saurons Schergen gehen mitunter überraschende Wege. Wird der Ring an die dunkle Seite verloren, verlieren alle Spieler das Spiel. Jeder Spieler erhält eine Hobbit-Figur und eine etwas größere gleichfarbige Figur, die einen der Tolkien-Helden darstellt. Alle Mitspieler dürfen Gandalf bewegen, dem gegenüber stehen Gollum, Orks und die Ringgeister, deren Bewegung durch Aktionen der Spieler ausgelöst werden können. Durch das Betreten von Zauberpunkten kann der Ring den Besitzer wechseln, daher ist bis zum Schluss offen, welcher Spieler den Schicksalsberg betreten und den Ring zerstören (und damit gewinnen) darf.
Der Aufbau des Spiels ist jedes mal anders, da das Spielbrett aus verschiedenen kleinen Quadraten besteht, die immer wieder zu neuen Varianten zusammensetzbar sind. Der Spielverlauf wird dabei nur indirekt beeinträchtigt, überraschend ist aber, dass die auf dem Spielplan verzeichneten Wege durch den variablen Aufbau nicht unterbrochen werden. Auf den Quadraten befinden sich verschiedene Wegpunkte, auf denen gesetzt wird. Außerdem existieren jede Menge so genannte Windpunkte, bei deren Betreten eine Bewegung der gegnerischen Figuren ausgelöst werden können. Diese Bewegungen enden oft sehr überraschend und weit entfernt vom Ausgangspunkt der bewegten Figur. Kommt es zu einer Begegnung der Spielerfiguren mit einer der Gegnerfiguren, wird anhand der Stärke (Größe) festgestellt, wer weichen muss. Allein der Ringträger, der immer ein Hobbit ist, kann bei seinen Bewegungen alle gegnerischen Figuren durch die Macht des Ringes umgehen. Wird er aber von einer gegnerischen Figur gefunden, verliert er den Ring und das Spiel ist für alle verloren. Auf diese Art versuchen die Mitspieler zunächst zufällig festgelegte Wegpunkte und dann den Schicksalsberg zu erreichen. Diesen darf aber nur der Ringträger betreten, der dann auch das Spiel gewinnt.
Der variable Spielplan und der untypische Spielmechanismus sind große Pluspunkte des Spiels. Die Fortbewegung der gegnerischen Figuren ist teilweise atemberaubend spannend, weil sie oft in einem einzigen Zug kreuz und quer über das ganze Spielfeld laufen. Die Ausstattung (einiges Holz) und Spielregeln sind optimal. Schwierig ist das Spiel, wenn die Spieler nicht bis kur vor Ende zusammenhalten, denn dann ist das Spiel schneller verloren, als man glaubt. Daher ist Ringgeister durch sein Spielsystem sicherlich nicht nur ein Abenteuer auf dem Brett, sondern auch davor. Hier zeigt sich, wer kooperieren kann und wer nicht. Eine Schwäche des Spiels liegt dann auch genau hier: Das Spiel funktioniert nur, wenn alle an einem Strang ziehen. Am Ende ist der Glückliche, wer gerade den Ring trägt. Daher ist das Gewinnen bei Ringgeister fast Glückssache. Wer aber nicht zum Gewinnen spielt, erlebt bei Ringgeister eine ganz andere Art von Spiel.
